Die Kuh – das Hochseeinterview

so zwischendurch haben wir ja Zeit, Zeit die Kuh zu befragen…die hängt ja den ganzen Tag nur so rum….aber lest selbst.

 

Frage: Wie geht es Dir?
Kuh: Gut. Nächste Frage!

Frage: Du hast jetzt ein Drittel des Atlantiks geschafft. Hattest Du auch mal Angst?
Kuh: Nö. Nur Respekt. Nächste Frage!

Frage: Zu keinem Zeitpunkt? Ich habe von 36 Knoten Wind und 4 – 5 Meter hohen Wellen in den ersten Tagen gehört.
Kuh: Nö! Ich sag nur „Sydney – Hobart Race“, „Kap Horn“, „Biskaya im Winter“. Da kann nicht mehr viel kommen. Aber Kühe geben ja nicht an. Nie! Nächste Frage!

Frage: Wurdest Du auch mal seekrank?
Kuh: Jetzt ist aber mal gut mit den blöden Fragen. Das interessiert doch keinen. Da krieg ich ja Gänsehaut am Euter. Was da sieben Meter unter mir los ist wollen die Leute lesen.

Frage: Na gut. Nach über siebenhundert Meilen, wie hält sich die Yavas Yavas?
Kuh: Huiiiiii, ich bin ja fast ein bisschen verliebt in die französischen Dame. Die Formen, die Rundungen, da kommen Erinnerungen an einen Ochsen dem ich mal nahe stand…… aber jetzt schweife ich ab. Also: Super um es mit einem Wort zu beantworten. Sie bewegt sich auch in schwerer See weich und kuhfreundlich. Alles ist superstabil und die Umbauten die mein Skipper im Winter vorgenommen hat haben sich bestens bewährt.

Frage: Jetzt treibt die Yacht ja bisher eher das Feld vor sich her. Woran liegt das?
Kuh: Kann ich mit einem Begriff zusammenfassen: Yavas Yavas! Mit kurzem Mast, geringer Segelfläche und ordentlich Gewicht (ja, auch Rotweinkannister bringen Ballast an Bord…) ist sie wirklich keine Rennziege. Die Dame braucht Wind, dann läuft sie. Am 2. Tag hatten wir ein Etmal von 145 Meilen. Da war der Skipper dann auch ein bisschen stolz. Und sein Freund Jan erst. Der alte Regattasegler hat so breit gegrinst, dass ein Weitwinkelobjektiv nötig war um ihn zu fotografieren.

Frage: Und wie läuft es aktuell?
Kuh: 15 Knoten Wind, Genua ausgebaumt, Groß gesichert, direkter Kurs auf St. Lucia. Die Crew ist entspannt und genießt Nächte mit einem Leuchtschweif von Plankton hinter der Yacht im Meer.

Frage: Stichwort Crew. Wie funktioniert das Zusammenleben an Bord.
Kuh: 4 Schiffseigner, 4 Skipper, 4 Kapitäne – dabei kann es nur einen geben. Alleine diese Voraussetzungen waren ja schon spannend. Zwei Schweizer, ein Holländer, drei Deutsche. Ja, mein Skipper hat schon so manches mal geschluckt. Aber ich muss sagen, Kompliment! Es funktioniert. Alle schauen was zu tun ist, sind unglaublich hilfsbereit. Für den Abwasch muss bald ein Casting eingeführt werden. Es sind immer mehr Personen spülbereit als Platz an der Spüle ist. ich möchte hier mal den Begriff „Abwaschindex“ in das Yachtsportlexikon einführen. So lange der positiv ist, d.h. es gibt mehr Crewmitglieder die abwaschen wollen als notwendig ist, solange funktioniert eine Segelcrew.

Frage: Wann schaust du am liebsten nach unten?
Kuh: Wenn die Crew zusammen im Cockpit sitzt, zusammen lacht und sich unterhält. Da würde ich manchmal gerne Übersetzer spielen. Holländisches Deutsch, Schweizer, Mannheimer, Norddeutsch und mein hessisch – türkischer Skipper. Herrlich wie da lachend missverstanden wird.

Frage: Und zum Abschluss noch ein kleiner Blick nach vorne. Worauf freust du dich in der Karibik?
Kuh: Ich hab ja gehört, in der Karibik kiffen sogar die Kühe. Naja, wir wollen ja Land und Leute kennen lernen……aber jetzt muss ich wieder chillen.

 

Wir haben 1/3 unserer Atlantikstrecke zurückgelegt. Die Yavas Yavas schlägt sich bestens und nach den ersten Tagen Seekrankheit bei einem Teil der Crew spielt sich so etwas wie Routine ein. 2. und 3. Tag hatten wir bis 36 knt. und 4m Welle. Da sind wir dann raumschots nördlich gesegelt um das Schiff stabil zu fahren u. die Crew zu schonen. Jetzt fahren wir bei 15 – 20 knt. direkt auf St. Lucia zu. Entspannte Tage und Nächte bei perfekten Bedingungen.
Herzliche Grüße von irgendwo auf dem Atlantik 

Position at: 27 Nov 2018 20:00 UTC
Lat/Lon: 17° 13.98 N, 038° 40.28 W


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Wolfgang