Sonntag

Hier ein Tag wie jeder andere. Die Sonne und Herr Pavarotti wecken mich, waschen und ein erster Kaffee im Cockpit. Da muss doch etwas besonders sein. Gut, ein Ei zum Frühstück ist ein Anfang. Und dann erinnere ich mich. Sonntags war immer Formel 1. Absurd überbezahlte Männer fahren in absurd schnellen Autos um die Wette im Kreis und bekommen von absurd schlecht gekleideten und schlecht operierten Frauen absurd hässliche Pokale überreicht.

Ich fahre mit dem kleinen Klapprad zur Wäscherei. Der Countdown zum Start läuft. Mein Badehandtuch konnte sich beim einräumen einen guten Startplatz sichern. Aber das T-Shirt mit den Tomatensaucenflecken auf der Brust liegt auch weit vorne. Äußerlich ruhig, aber innerlich extrem angespannt warten meine Unterhosen, mein Betttuch und meine rote Atemschutzmaske auf den Start.
Mit einer Wildcard (das Virus mag keine Temperaturen über 60 Grad) konnte sie sich noch einen Platz im Feld sichern. Es handelt sich um eine handgefertigte Einzelmaske, die sich schon im Vorlauf in der Waschmaschine sehr gut behaupten konnte. Nur noch wenige Sekunden bis zum Start im finalen Rennen im Wäschetrockner. Die Euro-Münze fällt. Ein deutliches “Klick“ zeigt die Startbereitschaft an. Ich drücke die Starttaste und das Rennen beginnt. Wie erwartet setzt sich mein Badehandtuch gleich an die Spitze des Feldes. Ein blaues Shirt und 2 Unterhosen komplettieren die Spitzengruppe. Das helle Shirt mit den Saucenflecken hat den Start völlig verpennt. Aber schon jetzt liegt die kleine, rote Maske dicht hinter dem führenden Quartett. Die Temperatur im Trockner steigt an und das Badehandtuch tut sich schwer die Spitze zu halten. Und in der zwölften Runde ist es dann so weit. In dem Augenblick, als sich das Handtuch überhitzt nach hinten durchreichen lässt, nutzt die kleine Maske eine Unachtsamkeit der zwei Unterhosen, überholt und setzt sich an die zweite Position….

Was für ein Rennen! Noch kann das blaue Shirt die Spitze verteidigen. Der Trockner stoppt. Das Shirt liegt knapp vor der Glastüre. Und dann passiert es doch noch. Die kleine Maske fällt von der Oberseite der Trommel zwischen das Shirt und die Tür. Sieg in letzter Sekunde. Ein weiterer Tag, gut geschützt ist für mich gesichert.

So hat selbst ein Sonntag mit Ausgangssperre noch einen emotionalen Höhepunkt gefunden.